Koschere Melange

Das Blog des Österreichischen Jüdischen Museums - ISSN 2410-6380

Schicksalsjahr 1938 – NS-Herrschaft im Burgenland

Das Österreichische Jüdische Museum lädt herzlich ein zur Eröffnung der Schwerpunktausstellung Schicksalsjahr 1938 – NS-Herrschaft im Burgenland Wann: Donnerstag, 26. April, 18:00 Uhr Wo: Landesmuseum Burgenland Die Ausstellung findet an…

Das Österreichische Jüdische Museum lädt herzlich ein zur Eröffnung der

Schwerpunktausstellung

Schicksalsjahr 1938 – NS-Herrschaft im Burgenland

Wann: Donnerstag, 26. April, 18:00 Uhr

Wo: Landesmuseum Burgenland


Die Ausstellung findet an zwei Standorten, im Österreichischen Jüdischen Museum in Eisenstadt sowie im Landesmuseum Burgenland in Eisenstadt, statt.

Dauer der Ausstellung: 27. April bis 04. November 2018

Download Einladung (Einladung1938.pdf, 1.06 MB)

Eröffnungsprogramm

16:00 – 18:00 Uhr: Pre-Opening: Freie Besichtigung beider Ausstellungsorte

ab 18:00 Uhr:

Begrüßung Dr. Wolfgang Kuzmits, Geschäftsführer | KBB – Kultur-Betriebe Burgenland GmbH

Zur Sonderausstellung Mag. Dieter Szorger, Kurator

Im Gespräch
Claudia Prutscher
, Vizepräsidentin | Israelitische Kultusgemeinde Wien

Mag. Hans Peter Doskozil, Kulturlandesrat

Ansprache Dr. Heinz Fischer, Vorsitzender des Beirats 100 Jahre Republik

Ansprache & Eröffnung Hans Niessl, Landeshauptmann

Moderation Walter Reiss

Filmausschnitt „Es waren schwere Zeiten“
von Walter Reiss | Gespräche mit burgenländischen ZeitzeugInnen


Maria Augustin, Innenraum der Gemeindesynagoge von Eisenstadt

Maria Augustin,
Innenraum der Gemeindesynagoge von Eisenstadt

Wir freuen uns sehr, Ihnen in unserem Haus noch nie öffentlich gezeigte Originaldokumente des Jüdischen Zentralarchivs zeigen zu dürfen. Außerdem ermöglicht Ihnen eine digitale Rekonstruktion einen virtuellen Rundgang durch zerstörte burgenländische Synagogen. Einblicke in die jüdischen Lebenswelten bis zur Vertreibung im Frühjahr 1938 bieten einerseits Werke burgenländischer KünstlerInnen, andererseits Interviews und Biografien burgenländischer Jüdinnen und Juden, die auf PC-Videostationen regional individuell abgerufen werden können.

Als NS-Landeshauptmann Dr. Tobias Portschy am 2. April 1938 forderte, im Burgenland neben der ›Agrarreform‹ und der ›Zigeunerfrage‹ auch die ›Judenfrage‹ mit nationalsozialistischer Konsequenz zu lösen, bedeutete dies das endgültige Aus einer dreihundertjährigen kontinuierlichen jüdischen Geschichte dieses jüngsten Bundeslandes Österreichs.
Die burgenländischen Juden waren 1938 die ersten Juden in Österreich, die von den Ausweisungsbefehlen der Nazis betroffen waren. Schon wenige Tage nach dem „Anschluss“ im März 1938 begann die systematische Ausweisung der Juden aus ihren Gemeinden. Am 1. November 1938 meldete die Presse, dass

sämtliche Kultusgemeinden des Burgenlandes … nicht mehr existieren.

Oskar Schiller, geb. 11. August 1918, ist einer der wenigen Juden, die nach 1945 ins Burgenland, namentlich nach Eisenstadt, zurückkehrten; er lebte bis zu seinem Tod am 17. Februar 2005 mit seiner Familie auch dort.
Er ist der älteste Sohn von Adalbert und Irma Schiller, die wie seine Schwester Wilma und sein Bruder Fritz in der Schoa ermordet wurden.

Herr Schiller kam jedes Jahr in den Tagen um Jom Kippur in die Synagoge, um dieses Jahrzeitlicht seiner Familie zu entzünden.

Das Jahrzeitlicht der Familie Schiller – die Übersetzung:

Jahrzeitlicht Familie Schiller: Zeilengerechte Transkription und Übersetzung
[1] Gedenklicht נר זכרון
[2] für meine Eltern, לנשמות הורי
[3] H(errn) Benjamin, Sohn des ר’ בנימין בן
[4] Natan Halevi נתן הלוי
[5] Schiller שיללער
[6] und seiner Ehefrau, ihren Söhnen ורעיתו, ובנם
[7] und ihren Töchtern, ובתם
[8] die in der Schoa umgekommen sind. שנספו בשואה


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Über jüdische und christliche Fleischhauer in Eisenstadt

John-Rylands-Haggada, Spanien, 14. Jahrhundert, Schächtszene Am kommenden Freitag, dem 30. März (= 14. Nisan), ist Erev Pesach. Wir wünschen Ihnen ein frohes und koscheres Pesachfest 5778! חג פסח כשר ושמח!…

John-Rylands-Haggada, Spanien, 14. Jahrhundert, Schächtszene


Am kommenden Freitag, dem 30. März (= 14. Nisan), ist Erev Pesach.

Wir wünschen Ihnen ein frohes und koscheres Pesachfest 5778!

חג פסח כשר ושמח!

Außerdem wünschen wir unseren christlichen Leserinnen und Lesern ein frohes Osterfest!


Da bekanntlich zu Pesach die Kaschrutregeln ganz besonders genau befolgt werden müssen, interessieren uns diesmal die jüdischen und christlichen (!) Fleischhauer, die koscheres Fleisch an die jüdische Gemeinde lieferten. Obwohl gar nicht beabsichtigt, ist fast so etwas wie eine Art Sittenbild eines Gewerbes zwischen 1716 und 1828 entstanden.

Offensichtlich kam es schon in den ersten Jahrzehnten der neugegründeten jüdischen Gemeinde Eisenstadt immer wieder zu Problemen mit den jüdischen Fleischhauern.
So musste am 27. Dezember 1716 sogar der Landesrabbiner Richter delegieren wegen vertragswidriger Erhöhung des Fleischpreises durch den Fleischhauer Rafael ben Jakob Pollak. Denn die Gemeinde hatte gegen Herrn Pollak Klage erhoben,

dass er an Juden 2.5 Jahre hindurch teuerer verkauft habe [als an Christen], und zwar jedes Pfund um einen halben ungarischen Pfennig.

Herr Pollak freilich bestritt den Vorwurf, denn er sei sich gar nicht bewusst gewesen, das Fleisch teurer verkauft zu haben. Entschieden wurde, dass im gegenständlichen Fall ein Berauben unbekannter Personen vorliegt, denen man das geraubte Gut nicht zurückstellen könne. Daher wäre dies – heute nennt man das wohl Diversion – nur durch die Förderung eines öffentlichen Werkes gutzumachen. Rafael Pollak musste auf eigene Kosten einen Graben um den Friedhof herrichten, der notwendig ist, damit die vom Berge herabstürzenden Gewässer nicht in die Gräber dringen…

Am 6. Februar 1724 wurde gegen den Fleischhauer Wolf ben Meir (= Wolff Marcus, Schaf- und Ziegen-Fleischhauer) wegen Vergehens in der Ausübung seines Gewerbes ermittelt:

Der Beschuldigte stand schon früher im Verdachte nicht rituell zubereiteten Wein an Juden verkauft zu haben. Nun wurde … [bekannt], dass er Fleisch, das hinsichtlich der Genießbarkeit noch nicht vorschriftsmäßig untersucht worden war, zu verkaufen suchte. Ebenso stellte es sich heraus, dass er Fleisch, das von einem vor mehr als drei Tagen geschlachteten Tiere herrührte, zum Verkauf brachte, ohne es früher der vorgeschriebenen Waschung unterzogen zu haben. Er hatte dieses, um die Akzise zu hinterziehen, in das Haus eines Nichtjuden geschafft und dazu noch unversiegelt gelassen.

Die Strafe lautet: Unfähigkeit zur Zeugenschaft und Ablegung eines Eides, Aberkennung des aktiven und passiven Wahlrechtes usw., dazu kam noch eine saftige Buße und seinen Sitz in der Synagoge verlor der Beschuldigte auch für ein ganzes Jahr.

Wolff Marcus dürfte kein zartbesaiteter Mensch gewesen sein, denn am 11. Oktober desselben Jahres wurde

der Beklagte, der als gewalttätiger Mensch bekannt ist, … zu einer Geldbuße von 39 Groschen für Schmerzensgeld und als Ersatz für Heilkosten … verurteilt. Ferner darf er für die Dauer von drei Monaten nicht zur Tora gerufen oder mit einer synagogalen Funktion beehrt werden. Für die Dauer von fünf Jahren darf er zu keiner Gemeindeversammlung zugezogen werden…

Und knapp einen Monat später, am 05. November 1724, klagte Israel Modern gegen den Fleischhauer Abraham Zoref und Simeon ben Chanan wegen Sachschäden.

Die Beklagten haben am vorhergehenden Simchat-Torafeste mit Steinen um sich geworfen, wodurch die Fenster im Hause des Klägers zerbrochen wurden. Das Urteil lautete: Abraham Zoref hat drei Pfund Talgkerzen an die Synagoge als Strafe zu leisten. Für die Dauer von drei Monaten Ausschluss von jeder synagogalen Funktion, ferner Aberkennung des aktiven und passiven Wahlrechtes für sechs Jahre…

Am 28. Dezember 1730 wurde der Gemeindeangestellte Bendit ben Abraham beschuldigt,

die Parteien nach Gefallen behandelt, dem einen gutes, dem anderen mageres und schlechtes Fleisch verkauft zu haben.

Und am 2. Jänner 1808 machten die herrschaftlichen Fleischhauer Moses Kittsee-Wolf und Moses Samuel in einer Vorstandssitzung der Gemeinde geltend,

dass sie infolge des außerordentlich steigenden Preises des Schlachtviehes mit großem Verlust arbeiten müssten und daher nicht in der Lage wären, die Gemeinde mit Koscherfleisch zu versorgen. In Berücksichtigung dieser Gründe wird ihnen über die bereits vertragsmäßig zugesicherten 150 fl. noch die Einhebung eines halben Kreuzers per Pfund zugestanden. Dies gilt a dato bis nach Pesach. Für die Pesachfeiertage selbst gilt die jetzige Abmachung nicht.

(Mehr über die Vogelkopf-Haggda in: Bilder der Woche – Die Vogelkopf-Haggada)


Jedenfalls führten – möglicherweise – auch die immer wieder auftretenden Probleme mit den jüdischen Fleischhauern der Gemeinde Eisenstadt dazu, dass am

15. März 1821

ein Vertrag zwischen der jüdischen Gemeinde und den christlichen Fleischhauermeistern Sebastian Schwemmer und Johann Hackstock wegen Belieferung der Gemeinde mit Koscher-Fleisch geschlossen wurde.

Der Vertrag wurde allen Gemeindemitgliedern pünktlich und deutlich vorgelesen und niemand hatte die mindeste Einwendung und Anstand daran genommen und alles für überaus gut und zum Vorteile der Gemeinde befunden…

Die jüdische Gemeinde verpflichtet sich also, den gänzlichen Bedarf an Koscher-Fleisch, welches in die Gassen gebraucht wird bei obbenannte Herrn Schwemmer und Hackstock nur allein von sie zu beziehen.

Der Vertrag war zwischen 6. April 1821 und 6. April 1827 gültig und regelte alle Verpflichtungen beider Seiten akribisch. Jedenfalls in höchstem Maße bemerkenswert, da üblicherweise die jüdischen Fleischhauer auch ihre christlichen Nachbarn belieferten, höchst selten aber umgekehrt.

So verbinden sich beide obige Herren ferner, dass sie hinlänglich die Gemeinde mit gutem Rindfleisch bestens versehen können und müssen, dass alles erforderliche Rindviehe sowohl zur herrschaftlichen Hofbank, wie auch der ganze Bedarf, was selbe auf die Dörfer brauchen niemals geschlagen werden darf, sondern allen Gebrauch … durch die hiesige Beglaubte geschachtet werden muss…

Interessant, dass zwei Jahre später, 1823, in einem Vertrag über die Gewährung eines Darlehens von 260 fl. an Moses Ahron Weiler als Vertragspartner der jüdischen Gemeinde Herr Abraham Hirsch [Schwarz] (aus Rechnitz, Fleischhauer in Eisenstadt) erwähnt wird!

Da die beiden christlichen Fleischhauer die jüdische Gemeinde, wie wir aus dem Vertrag erfahren, ja ausschließlich belieferten, kann Herr Schwarz noch nicht offiziell als Fleischhauer bedienstet gewesen sein.

…haben sich die beiden Herrn [christlichen] Fleischhackermeister alle Wochen für das eingelieferte Fleisch an den Bankknecht wegen ihrer Bezahlung zu verwenden, ansonsten die Gemeinde für die Bezahlung an obige Herrn nichts haftet.

Zum Gemeindefleischhauer wurde Abraham Hirsch Schwarz nämlich erst am 19. Oktober 1828 bestellt, und zwar per 6 fl. Lohn wöchentlich.

Moritz Schwarz, der Sohn von Abraham Hirsch Schwarz, ist am 03. Jänner 1833 der erste Eintrag in den Geburtsmatriken der jüdischen Gemeinde Eisenstadt. Der Beruf des Vaters wird auch darin als „Bankknecht“ angegeben.


Wir erfahren nicht, warum die jüdische Gemeinde nach Ablauf des Vertrages mit den christlichen Fleischhauern das Geschäft mit dem Koscher-Fleisch wieder den jüdischen Fleischhauern anvertraute.

Wir wissen aber, dass nur wenige Monate später, nämlich am 5. Jänner 1828, ein Aufsichtsorgan in der Gemeindefleischhalle zum Schutz der Käufer gegen Übervorteilung durch den Fleischhauer bestellt werden musste…


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Steine der Erinnerung

ORF, Religionen der Welt, „Steine der Erinnerung“, Sendung vom 17. März 2018 Die Steine und Tafeln der Erinnerung sollen nach dem Willen ihrer Initiatoren auf die Lebensgeschichten der ehemaligen jüdischen…

ORF, Religionen der Welt, „Steine der Erinnerung“, Sendung vom 17. März 2018


Die Steine und Tafeln der Erinnerung sollen nach dem Willen ihrer Initiatoren auf die Lebensgeschichten der ehemaligen jüdischen Anwohner verweisen. Manche Angehörige wollen ihren toten Verwandten damit auch einen Grabstein errichten – anstelle des nicht-vorhandenen Grabes wird dann der Stein der Erinnerung zum Ort, an dem die Angehörigen das Kaddisch, das traditionelle Totengebet, sprechen.

Die Sendung ist noch 6 Tage in der Mediathek des ORF abrufbar.

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Italienische Reise – Abbazia / Opatija

Überblicksseite Jüdischer Friedhof Abbazia / Opatija Die Grabsteine (The Gravestones) Personenregister Der zweite Teil unserer kleinen Serie: ausgehend von Triest eine Reise zu den jüdischen Friedhöfen in 4 Städten in…


Der zweite Teil unserer kleinen Serie: ausgehend von Triest eine Reise zu den jüdischen Friedhöfen in 4 Städten in Friaul und in 2 ehemals italienischen Städten, die nunmehr in Kroatien liegen.
Nach Fiume / Rijeka reisen wir heute ins nahe liegende Abbazia / Opatija, wo der kleine jüdische Friedhof sich ebenfalls auf dem Gelände des städtischen Friedhofs befindet (durch ein Tor abgetrennt).

Abbazia, eine Stadt mit eindeutigen Assoziationen: Sonne, Meer und vor allem Kur.

Den Weltruf verdankt Opatija dem Wiener Mediziner Julius Glax, dem Direktor der städtischen Kurkommission. Seine
Anwendungen an der „österreichischen Riviera“ waren so berühmt, dass auch Sigmund Freud seinen Patienten riet:
„Fahren Sie zum Kuren nach Opatija!“

Gleich ums Eck, in: Der Spiegel, 09. 07. 2007

Die Liste der prominenten Kurgäste und Persönlichkeiten in Abbazia ist lang: Kaiser Franz Joseph und seine Sisi stiegen im Hotel Imperial ab und trafen dort Kaiser Wilhelm II., Leo Sternbach, Sohn eines jüdisch-galizischen Apothekers und einer jüdischen Ungarin und bekannt vor allem durch die Erfindung des Valiums, wurde 1908 in Abbazia geboren, und Theodor Billroth starb 1894 in Abbazia.

Péter Nádas schreibt in seinen Parallelgeschichten:

Ich bin im Mittelmeer geschwommen, in der Nordsee, in der Adria, Abbazia war unser Stammplatz.

Péter Nádas, Parallelgeschichten, Hamburg 2012, 360

Am jüdischen Friedhof in Abbazia / Opatija finden wir auch die Gräber von Ignaz Nádas und seiner Ehefrau Teréz Schoszberger sowie jene von Ignaz Nádas‘ Tochter Rosa, die als „Natan“ geboren wird, und ihrem Ehemann Bernard Nathan. Die Nádas kamen aus Ungarn, ursprünglich freilich aus Österreich, und hatten – wie auch die Vorfahren von Péter Nádas – ihren Namen „Neumayer“ magyarisiert. Dem Geschäftsmann Bernard Nathan, der 1968 in Abbazia starb, verdanken wir viele Einblicke in die jüdische Geschichte der Stadt. Er war auch, nach seiner Rückkehr in die Stadt, der Initiator des Holocaustdenkmals, das am 01. Mai 1955 feierlich enthüllt wurde.

Siehe v.a. Péter Nádas, Aufleuchtende Details. Memoiren eines Erzählers, 2017 (s. Rezension in der NZZ), wo der Autor detailliert über seine Familie und ihre Herkunft schreibt, die Nadas in Abbazia aber nicht erwähnt.

Oder das Grab von Antonie Breiner, die nach dem Tod ihres Ehemanns Sigmund Breiner 1898 die Führung der beiden Hotels in Abbazia sowie die Leitung des Familienhotels in Bad Gleichenberg in der Steiermark übernahm. Alle Hotels existieren auch heute noch, mit der jüdischen Geschichte der Häuser wird ganz verschieden umgegangen… Sigmund Breiner, der 1840 in Deutschkreutz geboren wurde, ist am Zentralfriedhof in Wien begraben, Ehefrau Antonie in Abbazia.

Sowohl Emilie Glässner, die 1863 in Wien geboren wird, 1886 in Wien heiratet und in Wien ihre drei Söhne auf die Welt bringt, als auch Alfred Löwy, der seinen Namen in Lenauer änderte, in Wien heiratet und ebenfalls in Wien 2 Kinder bekommt, verstarben in Abbazia / Opatija und sind am jüdischen Friedhof begraben.

Der Präsident und spätere Ehrenpräsident der israelitischen Kultusgemeinde Abbazia / Opatija, Sigmund Kurz, heiratet 1869 in Wien. Dort kommt auch Sohn Jakob Kurz, später Arzt in Abbazia / Opatija, auf die Welt. Sowohl Sigmund Kurz, der 1929 mit 90 Jahren stirbt, als auch sein Sohn Dr. Jakob Samuel Kurz, gest. 1939, sind auf dem jüdischen Friedhof in Abbazia / Opatija begraben. Nur am Rande angemerkt sei: In der hebräischen Grabinschrift von Sigmund Kurz finden wir eine sehr spannende Formulierung…

Die Liste an (naheliegenden) Beziehungen zu Österreich könnte noch lange fortgesetzt werden.

Wir haben Fotos von 44 Grabsteinen des jüdischen Friedhofes in Abbazia / Opatija mitgebracht und wieder alle hebräischen Inschriften transkribiert, übersetzt und die Synagogalnamen sowie Sterbedaten ausgelesen. Wie in Fiume erhielten wir auch hier dadurch überhaupt erst ein korrektes Sterbedatum, oft sogar erstmals den Namen der Bestatteten, da in den existierenden Publikationen (hier und hier) zum jüdischen Friedhof Abbazia / Opatija die hebräischen Inschriften durchwegs ignoriert wurden, die Abschriften generell unvollständig und leider oft auch fehlerhaft sind.
Auch hier geht es uns primär darum, die Namen und Menschen hinter diesen Namen nicht zu vergessen.

Dies ist auch der Grund dafür, dass wir alle Namen auf dem Holocaustdenkmal in unser Personenregister aufgenommen haben; die 64 Namen von in Abbazia / Opatija verstorbenen Juden wurden mit den Namen von 52 Schoa-Opfern, darunter 4-jährige Kinder und 90-jährige Greise, ergänzt.

Entdecken Sie mit uns den jüdischen Friedhof von Abbazia / Opatija und schreiben Sie – auch diesmal – mit uns ein kleines Stückchen der jüdischen Geschichte Eisenstadts weiter:

Denn auch die prominente jüdische Weinhändler-Familie Wolf kurte in Abbazia. Etwa Leopold Wolf, Firmenvorstand der Weingroßhandlung „Leopold Wolf’s Söhne“, und seine Frau Ottilie Laschober:


Und die Tante von Leopold Wolf, Minna Wolf, geb. Gomperz, starb 1905 63-jährig in Abbazia, sehr wahrscheinlich während ihrer Kur, und wurde auf den jüngeren jüdischen Friedhof nach Eisenstadt überführt. Ihr Ehemann, Adolf Wolf, starb übrigens auch während der Kur, 24 Jahre später, in Bad Ischl, und wurde ebenfalls nach Eisenstadt überführt. In beiden hebräischen Grabinschriften werden die Sterbeorte deutlich erwähnt.



Heute Abend beginnt der 14. Adar und damit in wenigen Stunden das Purimfest.

Wir wünschen allen Leserinnen und Lesern unserer Koscheren Melange ein fröhliches Purim 5778!

חג פורים שמח לכולם!


1 Kommentar zu Italienische Reise – Abbazia / Opatija

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